25.11.2014

Eine-Welt-Gruppe Bad Brückenau 

 

Ein Jahr nach dem Taifun „Haiyan“ auf den Philippinen

Eine-Welt-Gruppe Bad Brückenau engagiert sich fürTaifunopfer

 

Mit einer Spende von 1.000 EUR beteiligt sich die Eine-Welt-Gruppe Bad

Brückenau am Aufbau  einer Zuckerrohrmühle für die Opfer der

Naturkatastrophe vom 7.11.2013 auf den Philippinen. Bis zu 500

Kleinbauernfamilien auf der Insel Panay, die durch den Taifun Haiyan vor

einem Jahr Alles verloren haben, soll eine dauerhafte Lebensgrundlage durch

regelmäßige, erhöhte Einkommen aus dem Fairen Handel mit

„Mascobado“-Vollrohrzucker ermöglicht werden.

 

In der Region Capiz, im Norden der philippinischen Insel Panay wurden am 7.

November 2013 innerhalb weniger Stunden 80% der Gebäude zerstört, Felder

verwüstet und Straßen weggespült. Die lokale Fairhandelsorganisation „Panay Fair

Trade Center“ (PFTC) organisierte und leistete in den darauf folgenden Wochen und

Monaten beeindruckende Soforthilfe, die tausende Menschen vor noch Schlimmerem

bewahrt hat. Finanziert wurden die zahlreichen Hilfseinsätze vor allem durch Spenden

von Weltläden und deren Kunden.

Einer der wichtigsten Akteure, damals wie heute, ist die „dwp eG

Fairhandelsgenossenschaft“ mit Sitz in Ravensburg, die langjährige Direktkontakte zu

Kleinbauerngenossenschaften auf Panay unterhält und deren Waren auch im Bad

Brückenauer Eine-Welt-Laden verkauft werden.

Schnell wurde den Verantwortlichen bereits 2013 klar, dass neben der kurzfristigen

Hilfe ein weitergehendes Engagement notwendig ist, um den verarmten Menschen auf

Panay aus ihrer misslichen Lage helfen zu können. In zahlreichen Versammlungen mit

den Kleinproduzenten von Zuckerrohr wurde die Idee einer eigenen

Verarbeitungsanlage für Rohrzucker immer weiter vorangetrieben.

 

Nur so könnten die betroffenen Produzenten in der Region an der Wertschöpfung ihres

Zuckerrohrs – das sie bislang zu Niedrigstpreisen an kommerzielle Aufkäufer abliefern, teilhaben.

Als Konsequenz aus diesen Gesprächen mit den Kleinbauern vor Ort wurde im August

2014 von dwp und PFTC das Projekt „100 x 1000“ ins Leben gerufen, an dem sich auch

die örtliche Eine-Welt-Gruppe beteiligt. Ziel ist es bis Jahresende 100 Eine-Welt-Läden

bzw. –Initiativen zu finden, die jeweils 1.000,- EUR in den Aufbau dieser geplanten,

neuen Zuckerrohrmühle investieren.

Ein Grundstück wurde bereits erworben, die Bestellung der ersten

Verarbeitungsmaschinen in Auftrag gegeben und die Bauarbeiten für die

Verarbeitungshalle sollen noch 2014 beginnen.

 

Dass die Eine-Welt-Gruppe dieses Projekt unterstützen will, war schnell geklärt. „Der

gewählte Ansatz entspricht genau unserer Philosophie, nämlich dazu beizutragen, dass

überall auf der Welt faire und gerechte Grundbedingungen ausgestaltet werden, die ein

menschenwürdiges Leben in Eigenverantwortung ermöglichen“, so Dirk Hönerlage von

der örtlichen Eine-Welt-Gruppe. Um sinnfällig zu machen, dass schwierige Situationen

leichter zu meistern sind, wenn viele Menschen sich mit einer Sache identifizieren und

solidarisch die Lasten teilen, soll das Projekt „100 * 1000“ auf eine persönliche Ebene

unter dem Titel „100 * 10“ heruntergebrochen werden: Gesucht werden 100 Spender

aus Bad Brückenau und Umgebung, die jeweils 10 EUR für die neue Zuckerrohrfabrik

spenden. Die Spendenbox steht im Laden. Auf einer Liste können sich alle Beteiligten

eintragen – und bekämen dann, wenn alles wie geplant verläuft, als kleines

Dankeschön in einem Jahr ein Päckchen Zucker aus philippinischer Produktion.

Den Skeptikern, die bei solchem Engagement immer nur von dem berühmten „Tropfen

auf dem heißen Stein“ sprechen, hält Hönerlage entgegen: „Schließlich ergeben viele

kleine Tropfen eben doch einen Regen, der aus Wüsten Gärten machen kann.“


 

 „Durch den Verkauf von Bio-Mascobado-Vollrohrzucker und anderen Produkten haben

wir seit Jahren eine Beziehung zu den Menschen auf den Philippinen“ sagt Martina

Kirchner, die den Bad Brückenauer Weltladen koordiniert. „Wir haben die betroffenen

Menschen ein Jahr nach der Katastrophe nicht vergessen und investieren gezielt in ei

ne dauerhafte Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse.“

 

Ein Jahr nach der Katastrophe zieht die dwp eG eine optimistische Zwischenbilanz. „Mit

der Bad Brückenauer Gruppe haben wir bereits 72 Unterstützer gefunden und wir

gehen davon aus, dass sich bis Weihnachten die benötigten 100 Förderer aus

Eine-Welt-Gruppen/Weltläden für das Zuckermühlenprojekt engagieren werden“, so ein

Sprecher der Fairhandelsgenossenschaft.

Der erste Zucker aus der neuen Zuckerrohrmühle auf Panay wird voraussichtlich im

Sommer 2015 im Weltladen Bad Brückenau zum Kauf angeboten.